Die 1967 in Belfast geborene Autorin kam spät zu Schreiben, veröffentliche erst 2021 einen Band mit Erzählungen. In ihrem zweiten Roman geht es um zwei jugendliche Außenseiter - Róisín und Red -, die 1982 in einer irischen Vorstadt Freundschaft schließen. Beide gehen später nach London, leben dort in einem besetzten Haus. Während Róisín einen Neuanfang wagt, verliert sich Red in die Drogenabhängigkeit. 20 Jahre später begibt sie sich auf die Suche nach Red.
Aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser und Claudia Glenewinkel
Es sind die 1980er-Jahre, Róisín ist 15, in ihrem kleinen irischen Städtchen gilt sie als Außenseiterin. Sie und ihre Ma leben in einem bescheidenen, nasskalten Haus – still ist es geworden, seit ihr Vater sie verlassen hat. Róisín fühlt sich zu Red hingezogen, als sie ihn zum ersten Mal trifft. Seine Cargo-Jacke, die er über den Schulblazer gezogen hat, seine ungewöhnlich förmliche, sarkastische Art zu sprechen, die vielen Anspielungen auf Bücher und Musik. Er ist anders auf die Weise, wie sie selbst auch anders ist.
Als ihre Bindung tiefer wird, verflechten sich ihre beiden Leben immer stärker. Red und Róisín gehören zu jener Auswanderungswelle in das Vereinigte Königreich, die aus einem Irland aufbricht, das ihnen wenig zu bieten scheint. Während Róisín versucht, anzukommen und sich ein eigenes Leben aufzubauen, gerät Red in den Strudel eines selbstzerstörerischen Abstiegs.
Louise Kennedy erzählt in ihrem lang erwarteten zweiten Roman eine kraftvolle Geschichte von der Unmöglichkeit, andere Menschen zu retten, und der zerstörerischen Macht unausgesprochener Wahrheiten. Mit eindringlicher Präzision und emotionaler Wucht entwirft sie das Porträt einer Frau, die zwischen zwei Ländern, zwei Zeiten und ihren eigenen Dämonen gefangen ist – und die verstehen muss, dass manche Verluste nie zu verwinden sind.