Der soeben mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnete Ungar hat diesen unter Neonazis in einer Kleinstadt in Thüringen spielenden Roman 2021 veröffentlicht: ein virtuoser Heimatroman mitten hinein in die "deutsche Seele". Erzählt wird die Geschichte des einfältigen Florian Herscht, der in einem Heim aufwächst, den der Dorfnazi mit Gebäudereinigungsfirma dort herausholt, der sich nun als Schwarzarbeiter und als Schüler in der Volkshochschule durchschlägt und sich nach Geborgenheit sehnt.
Grandios aus dem Ungarischen übersetzt von Heike Flemming.
Kana wäre eine vergessene Stadt irgendwo in Thüringen, hätte ihre abgelegene Trostlosigkeit nicht Neonazis angelockt. Die Einwohner betrachten sie mit Angst und Argwohn. Allein Florian Herscht meint, er habe Freunde auf beiden Seiten: ein hilfsbereiter Muskelprotz, der sich vor Tattoos fürchtet und glaubt, das Universum stürze demnächst ins Nichts. Um alle vor der vermeintlichen Katastrophe zu warnen, schreibt er Briefe an Frau Merkel, die ohne Antwort bleiben. Doch seine Unschuld macht ihn hellsichtig, und nur die Musik Bachs kann ihn trösten. Plötzlich tauchen am Waldrand Wölfe auf, die Apokalypse rückt tatsächlich näher…
Literarisch mit großem Sog überrascht László Krasznahorkai mit einem Roman voll beängstigender deutscher Gegenwart, mit melancholischem Humor und abgründigem Sarkasmus.