Drei Menschen. Ein historischer Garten am dahinfließenden Strom. Der Lieblingsplatz der 102-jährigen Margrit, die Tochter von Johanne, einst in Liebe mit der Gärtnerin verbunden, die diesen Garten schuf. Margrit, die uralte Tochter, Stimmbildnerin, Liebende, Sterbende und Großmutter von Luzie, die nach einem Weg sucht, mit einem traumatischen Erlebnis umzugehen. Sie tätowiert. Sie tätowiert ihre Großmutter. Dann ist da Arthur, der Margrit als Fahrer von der Seniorenresidenz zum Garten kutschiert, der außerdem Sprachen erfindet, eine Sprache des Lichts oder eine Sprache der Elbe.
„Sie hat gehört, es gibt eine Sprache, die hat ein Wort für jene Stille, die eintritt, nachdem der Besuch gegangen ist.“ Damit beginnt dieses Buch.
Es geht ums Altern, um die Liebe und den Tod, um Schweigen und Erinnerungen, darum eine Stimme und eine Sprache zu finden für das, was uns miteinander verbindet oder auch trennt. Wie viel Nähe und Wissen voneinander können und wollen wir zulassen? Das alles fließt, mäandert in Haupt- und Nebenflüssen mit dem Strom, mit den Flusslinien.
»Flusslinien« ist ein großer Generationenroman über das Leben mit den Wunden, die uns zeichnen, und die Frage, wie man lernt loszulassen, zu vertrauen und weiterzuatmen.
Margrit ist hundertzwei und wartet auf den Tod. Jeden Tag lässt sie sich von Arthur in den Römischen Garten bringen. Dort, mit Blick auf die Elbe, erinnert sie sich - an den Krieg, ihre Liebhaber und an Else, Gestalterin des Gartens und die große Liebe ihrer Mutter.
Margrits Enkelin Luzie hat sich von der Schule abgemeldet und übernachtet nun heimlich am Fluss. Während sie ihre Großmutter tätowiert, versucht sie, Stich für Stich, ihre Kraft und ihr Leben zurückzugewinnen.
Und dann ist da noch Arthur. Wenn er gerade niemanden zur Dialyse fährt, erfindet er Sprachen, sucht mit einer Metallsonde den Strand ab und ringt mit einer Schuld.
Um nicht vom Strom der eigenen Erinnerungen fortgerissen zu werden, müssen sich die drei auf sich selbst besinnen. Und aufeinander einlassen.