Schade, dass es im Sommer bei Erscheinen doch etwas unterging. Der Titel, der sich zwar beim Lesen erschloss, aber Lotto? Ein Thema, das so gar nicht meins ist. Hätte ich nicht „Das Haus verlassen“ von Jacqueline Kornmüller so sehr geliebt - aber dann nahm ich mir das Leseexemplar neulich mit. Und nun empfehle ich die Geschichte von Lina herzlich, wo es nur geht, eine Geschichte, die auch die fast eines ganzen Jahrhunderts ist. Ein Frauenleben lang.
Jacqueline Kornmüller ist eine fantastische Erzählerin mit viel Gefühl für Sprache und Rhythmus. Ich schließe das Buch mit einem Kloß im Hals, weil ich Lina vermissen werde.
Jacqueline Kornmüller verwandelt die Erinnerung an ihre Großmutter in Literatur. Sie erzählt die Geschichte einer starken, unbeugsamen Frau, die das Glück selbst in die Hand nimmt und einfach nicht mehr loslässt.
»Meine Großmutter war eine leidenschaftliche Lottospielerin, das ist begründet in der Tatsache, dass sie als Kind eine Art von Armut erlebte, die so bitter war, dass sie noch am Ende ihres Lebens zu mir sagte: So eine Armut, wie ich sie als Kind erlebt habe, gehört verboten.«
Bayern in den 1920er Jahren. Bei ihrer ersten Anstellung darf Lina in der Küche nur die Kupferkessel waschen. Doch bald wendet sich das Blatt, durch eine Hintertür betritt sie die Bühne des Clausings, Lieblingshotel der Ufa im Luftkurort Garmisch. Das Kommen und Gehen der Gäste, das Empfangen, das Wünsche erfüllen, all das versteht Lina als Chance, ihrer Realität zu entkommen. Und schon bald verhilft ein Zufall ihr zu einem eigenen Hotel. Es kommen arbeitsreiche, schicksalsschwere Jahre. Aber wenn Lina auf der Veranda der Amalie ihre Lottoscheine ausfüllt, steckt sie alle an, mit ihrem unbedingten Glauben an das Glück.